Chlor kann im Wasser sein, auch wenn es nicht danach riecht.

Chemie im Trinkwasser braucht kein Mensch: Chlor assoziiert man automatisch mit einem bestimmten Geruch, wie man ihn aus öffentlichen Schwimmbädern kennt. Vielleicht hat man auch schon mal davon gehört, dass deutschem Trinkwasser Chlor zu gesetzt wird. Zapfen wir Wasser vom Hahn, riechen wir die Chemikalien meist aber nicht, denn dafür sind deren Konzentrationen zu gering. Geht von Chlor im Trinkwasser eine Gefahr für unsere Gesundheit aus? Mehr dazu in diesem Text...

Chlor Faktencheck:

  • Gehört zu den Halogenen, der 17. Gruppe des Periodensystems. Zu ihnen gehören auch Fluor, Brom, Jod und das radioaktive Astat.

  • Ist ein grüngelbes, giftiges Gas. Ist mäßig in Wasser löslich und riecht stechend ab einer gewissen Konzentration.

  • In Form von Gas tödlich und wurde bereits im 1. Weltkrieg als Waffe verwendet.

  • Im reinen, flüssigen Zustand kann es Ätzungen der Haut, oder der Atemwege auslösen.

  • In Verbindung mit Wasser ist Chlorgas evtl. weniger schadhaft für den Menschen. Es wird oft zur Desinfektion von Leitungswasser eingesetzt. Dabei wird es insbesondere in Natriumhypochlorit und hypochlorige Säuren umgewandelt.

  • In der Natur kommt Chlor nicht elementar, sondern nur gebunden, in verschiedenen Verbindungen vor. Die bekannteste ist Natriumchlorid, das Kochsalz.


       
    Das Trinkwasser muss unzählige Kilometer in Leitungen hinter sich bringen, um in jeden Haushalt zu gelangen.

Bakterielle Belastungen sind keine Seltenheit: Wasserversorger wollen günstige Lösungen

Man kann sich ja denken, dass es in einem großflächigen Leitungssystem, mit vielen Millionen Kilometern an Rohrleitungen, auch an Schwachstellen nicht mangelt.
Nahezu täglich kommt es in Regionen Deutschlands zu einer Belastung von Leitungswasser durch Bakterien. So wurde etwa Anfang September 2019 wieder eine bakterielle Belastung des Leitungsnetzes in Orten im Esslinger Landkreis festgestellt und veröffentlicht.
Warum ist das so?
Z.B. bei starkem Unwetter kann Schmutzwasser die Trinkwasser-Reservoirs wie Seen und Flüsse belasten.
Bei starkem Gülle-Einsatz können manchmal auch Fäkal-Bakterien unser Trinkwasser gefährden. Allen voran dient das Bakterium E. Coli als Indikator für Verschmutzung mit Fäkalien.
Es darf laut Trinkwasserverordnung nicht im Trinkwasser vorhanden sein.
Verseuchtes Trinkwasser auszuliefern, kann sich kein Wasserwerk erlauben. Es muss also eine möglichst kostengünstige und schnelle Lösung her, um Wasser zu desinfizieren.

 

Wird deutsches Leitungswasser gechlort?

Ja, wird es! Doch fast könnte man meinen, Trinkwasser wird nur in anderen europäischen Ländern wie Spanien, Kroatien oder Italien gechlort. Öffnet man etwa auf Mallorca den Wasserhahn, stößt einem fast überall auf der Insel schnell ein beißender Chlorgeruch entgegen. Schenkt man sich in Deutschland ein Glas „Hahnenwasser“ ein, so kann man relativ selten Chlorgeruch in der Nase ausmachen.
Doch der Schein trügt. Auch deutsches Trinkwasser kann mit Chlor und anderen Oxidationsmitteln - z.B. Chlordioxid, UV, Ozon - desinfiziert werden, um das Wachstum von Bakterien, Viren oder Parasiten zu verhindern. Der Grenzwert für Chlor ist in der Trinkwasserverordnung verankert und liegt bei 0,3 Milligramm pro Liter. Wie die zulässigen Verfahren für den Zusatz von Chlor aussehen, kann man in der sogenannten §11-Liste zur Trinkwasserverordnung nachlesen.

Also ja, deutsches Wasser wird unter Umständen mit Chlor versetzt.

 

Chemie im Trinkwasser, geht das gut?

Zumindest ist es legal. Bei Belastung des Trinkwassernetzwerks etwa mit Bakterien, kann der Einsatz von Chlor direkt durch das Gesundheitsamt angewiesen werden. Darüber hinaus werden aber auch die Verteilernetze von Wohnungsblocks und öffentlichen Gebäuden (z.B. Krankenhäusern) oft extra desinfiziert.
 

Erst ab einem Milligramm pro Liter können Sie Chlor riechen

Zu Chlor fällt einem zuerst der typische Geruch des blau schimmernden Wassers in einem Swimmingpool ein. Wer hätte es gedacht. Am typischen Chlorgeruch im Schwimmbad trägt Chlor selbst wenig Anteil. Zwar werden öffentliche Schwimmbecken gechlort, der typische Becken-Odeur hat aber noch andere Ursachen.
Wo Menschen sind, kommt es auch zum Ausstoß von Harnstoff, ein Bestandteil des Urins. So auch im Wasser des Schwimmbeckens. Chlor ist reaktionsfreudig und geht leicht Verbindungen mit anderen Stoffen ein. Trifft das geruchlose freie Chlor auf den ebenso geruchlosen Harnstoff, entsteht gebundenes Chlor: die streng riechende Verbindung Trichloramin. Generell gilt: Je mehr Harnstoff, desto mehr Trichloramin, desto mehr „Schwimmbadgeruch“.

Trinken wir aus dem Hahn, so kann sich Chlor darin befinden auch ohne dass wir es riechen können. Erst ab ca. 1 mg pro Liter geht von Chlor ein Geruch nach „Chlorbleiche“ aus. Sie wissen nicht ob ihr Wasser gechlort wird? Fragen Sie doch mal bei ihrem Versorger nach.
 

Schadet Chlor im Trinkwasser der Gesundheit? Bleiben wir wirklich unbeschadet?

Diese Frage kommt nicht von ungefähr. Schließlich setzt man einem Lebensmittel, dem Trinkwasser, eine hoch-aggressive Chemikalie zu, die in einer bestimmten Form und Konzentration auch tödlich wirken kann. Wie schon Paracelsus sagte: die Dosis macht das Gift. Doch was ist eine giftige und was eine ungiftige Dosis? Von einem Glas mit Chlor versetztem Wasser hier und da ist wahrscheinlich nicht viel zu befürchten. Seitens der Wasserversorger wird der Einsatz von Chlor derzeit als unbedenklich eingestuft.
Doch spätestens seit dem Dieselskandal weiß man, wie schnell sich der Wind um Grenzwerte drehen kann. Mehr und mehr Forschungen zeigen, dass die regelmäßige Aufnahme kleiner Mengen mit Chlor versetztem Trinkwasser durchaus Gefahren bergen kann. Bei der Behandlung mit Verfahren zur Chlorung entstehen als Neben- und Folgeprodukte Verbindungen wie Chloramine, Peroxide, Radikale und Stickoxide. Einigen davon werden gesundheitliche Risiken nachgesagt:

 
  • Laut Studien sind besonders Kinder im Mutterleib gefährdet. Es drohen Hirnstörungen und Löcher an der Herzscheidewand.
  • Laut einer Studie aus Spanien erhöht die regelmäßige Aufnahme von gechlortem Wasser das Risiko für Blasenkrebs.



So wird Wasser genießbar: Aktivkohle bindet 99% aller Chlorverbindungen dank Adsorption

Man kann Wasser kochen – so ist nach ca. 10 Minuten alles Chlor entwichen. Jeden Liter abzukochen macht wenig Sinn, da unökologisch und mit großem Aufwand verbunden.
Zum Glück gibt es auch andere, potente Mittel: Aktivkohle. Dank ihrer großen, feinporigen Oberfläche und seiner Adsorptionskraft, kann die Kohle Chlor und seine Verbindungen an sich binden.
Ein Grund mehr, einen Wasserfilter von Acala zu verwenden.





Quellen:
https://waterandhealth.org/safe-drinking-water/drinking-water/drinking-water-chlorine-odor/
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/rechtliche-grundlagen-empfehlungen-regelwerk/aufbereitungsstoffe-desinfektionsverfahren-ss-11
https://de.wikipedia.org/wiki/Chlor
http://oekorecherche.de/sites/default/files/publikationen/vollchlor.pdf






 

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