Mikroplastik - auch in unserem Körper!







Plastik im Körper?
Das will man sich gar nicht ausmalen. Dennoch kommen wir täglich über unsere Atmung, Haut, Nahrung und Getränke  damit in Kontakt.


Ist Plastik aus Kosmetik, Leitungswasser und Lebensmitteln ein Problem?
Definitiv ja - Mikroplastik ist so klein, dass wir es nicht sehen können.

Welche Einschnitte ergeben sich für unser Wohlbefinden und wie lässt sich die Plastikzufuhr vermeiden bzw. das Risiko schmälern?



Ein kurzer Überblick: Die Geschichte von Kunststoff
Mikroplastik im Körper - das war vor 100 Jahren noch Science Fiction. Zwar waren schon 1880 Armbänder aus Gummi im Umlauf, aber erst ab 1936  hatten Menschen erstmals vermehrt Körperkontakt mit Kunststoff. Erstmals konnte man Spielzeuge und Haushaltsgeräte aus Plastik in den Geschäften kaufen und von nun an kam und kommt unser Körper permanent damit in Berührung.

Seine Vielseitigkeit hat dazu geführt, dass die Menge an Kunststoff, die jährlich produziert wird, in den letzten Jahrzehnten schnell zugenommen hat, im Jahr 2012 lag der Stand bei 288 Millionen Tonnen im Jahr und diese Summe wächst jährlich weiter.
Aber die Eigenschaften, die es so nützlich macht, sind auch die Eigenschaften, die seine Abfälle zu einer Bedrohung für Tiere, Umwelt und auch für uns Menschen machen. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Kunststoff nicht biologisch abbaubar ist und somit für immer in der Umwelt verbleibt und nur in Form von Mikroplastik zerfällt. Als Folge davon erreicht Mikroplastik unsere Lebensmittel und unser Trinkwasser.


1931 wurden das erste Mal PVC Böden verlegt.
Ab 1949 entwickelte der deutsche Chemiekonzern BASF Styropor, von da ab wurde mit Kunststoff gedämmt.
Ab 1954 wurden Bratwürste in Teflonpfannen gebraten.
Ab 1975 wiederum wurde man immer stärker mit den Folgen konfrontiert.
Plastik konnte, wie auch heute, weder kompostiert, noch anderweitig biologisch abgebaut werden. Der Müll wuchs der Bevölkerung über den Kopf und es wurde damit begonnen, das Kunststoff-Recycling zu entwickeln. Heute wird Kunststoff jedoch nicht mehr nur für Gegenstände verwendet, es findet sich immer öfter an Orten, wo es nie vermutet werden würde oder sinnvoll ist und auch nicht hingehört.



Stets von der unsichtbaren Gefahr umgeben
Zur Zeit der Erfindung des Plastiks sah man nur die Vorteile. Ein gutes Jahrhundert später kommen immer mehr Nachteile ans Tageslicht. Kunststoffe und Weichmacher, wie PET ( Polyethylen), PC ( Polycarbonat) und BPA ( Bisphenol-A), können unter anderem Krankheiten verursachen  wie (um nur einige zu nennen):

  • Stoffwechsel-Störungen
  • Diabetes
  • ADHS
  • Hormonstörungen
  • Allergien
Einer der vielen Nachteile ist, dass man Plastikpartikel nicht mehr mit bloßem Auge sehen kann. Sie dringen in den Körper ein und wir merken zunächst überhaupt nichts davon. Sie sorgen dort für Probleme. Bislang ist nur ein sehr kleiner Teil der Schwierigkeiten bekannt, die uns Plastik, in winzigsten Teilchen, in unserem Körper macht.



Plastik wird im Menschen nachgewiesen



Forscher der Uni Wien wiesen im Oktober 2018 im Rahmen einer Pilotstudie das erste Mal ganz konkret winzige Plastikteilchen im Stuhl - und somit im Körper - von Menschen nach.
Die wissenschaftliche Untersuchung wurde an acht Teilnehmern, im Alter zwischen 35 und 60 durchgeführt, die in unterschiedlichen Teilen der Welt leben. Gemessen wurden 20 Plastikpartikel pro 10 Gramm Darminhalt. In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen, erklärt Bettina Liebmann, die zuständige Expertin für Mikroanalysen im Umweltbundesamt.
50 Mikrometer entspricht 0,05mm
. Vergleichbar mit dem 20. Teil eines Sandkorns.


Nanoplastik kann mehr als eine Million mal kleiner als Mikroplastik sein

Nanoplastikteilchen können entstehen, wenn Mikroplastik sich noch weiter verkleinert.
Die Größe von Nanoplastik ist unvorstellbar winzig klein.
Einige Teile sind etwas unter 50 Mikrometer(µm).

Zum Vergleich: Ein Nanometer entspricht etwa dem millionsten Teil eines Sandkorns! Nanoplastikpartikel können überall in den Körper eindringen, einschließlich der Zellen. Die Risiken sind in keiner Weise einschätzbar. Stand heute bestehen für Mikroplastik und Nanoplastik als Kontaminanten in Lebensmitteln keine gesetzlich verpflichtenden Regelungen. Die Wissenschaft tut sich schwer, die Partikel überhaupt zu verifizieren, geschweige denn aus dem Körper wieder auszuleiten.





Plastik belastet Leitungswasser
Die Natur ist nicht für Plastik gerüstet. In Fischen etwa wird regelmäßig Plastik gefunden. Luftballons, Bonbonpapiere, Strohhalme, Fußbälle, Flaschendeckel, Eisverpackungen usw. - all diese Dinge brauchen 500 Jahre, wenn überhaupt, um abgebaut zu werden. Nichts in der Natur ist permanent. Alles wird zu jeder Zeit umverteilt, zerklüftet, zerkleinert um wieder neu geformt zu werden.
Nach und nach wird der Plastikmüll durch den Bewegungsdrang der Natur regelrecht zerstäubt.
Plastikmüll aller Art hat längst seinen Weg in die entlegensten Gewässer der Arktis und Antarktis gefunden.


Demzufolge macht Plastik auch vor unserem Trinkwasser nicht halt. Etwa durch Autoreifenabrieb, zerkleinertem Bauschutt oder Kosmetik, die wir in der Dusche verwenden, schleusen wir immer mehr Plastik in unsere Trinkwasserreservoirs; Seen, Quellen, Grundwasser, aus welchen unser Leitungswasser stammt.
Eine andere Quelle von Mikroplastik scheint ziemlich unerwartet: Kontaktlinsen. Der Grund dafür ist, dass sie gewöhnlich in die Toilette geworfen werden, was man nicht tun sollte. Laut einer von Forschern der Arizona State University durchgeführten und in der Zeitschrift Scientific American veröffentlichten Studie erreichen allein in den USA jährlich geschätzte 20 Tonnen Kontaktlinsen den Klärschlamm, von denen etwa die Hälfte in die Umwelt gelangt.
Wie andere Kunststoffe sind auch Kontaktlinsen nicht abbaubar und somit eine weitere Quelle für Mikroplastik.
Mikroplastik wird in allen Seen und Ozeanen nachgewiesen. Selbst wenn die Verwendung von Kunststoffen aufhören würde, ist der Schaden längst angerichtet. Es gibt Tonnen über Tonnen von Plastik in den Gewässern der Erde, so dass die Entstehung von Mikroplastik aus diesen, schon vorhandene Teilchen, nicht aufhören würde.
Während einige Plastikabfälle recycelt werden, landet die Mehrheit auf Mülldeponien. Bis zu 10% der produzierten Kunststoffabfälle gelangen ins Meer. Mikropartikel sammeln sich auch in Oberflächengewässern, Küstengewässern, Flussmündungen, Flüssen, Stränden und Tiefseesedimenten an. Auch am Meeresgrund ist Plastikmüll zuhauf zu finden.
In Bezug auf die toxischen Eigenschaften von Mikroplastik wurde die Hypothese aufgestellt, dass Mikroplastik bei der Aufnahme als Weg für die Toxineinführung in die Nahrungskette dienen könnte, d.h. als ein Vektor für diese anderen Kontaminanten. Mikroplastik stellt auch eine Gefahr dar, durch die enthaltenen Weichmacher, aufgrund ihrer Östrogen-Wirkung.
(Weichmacher arbeiten im Körper, wie das weibliche Hormon Östrogen)
Nanoplastik ist der am wenigsten bekannte Abfall im Meer, aber möglicherweise der gefährlichste.


Im Rahmen einer durch BILD in Auftrag gegebenen chemischen Analyse, fanden Forscher in Hamburg und Dortmund in rund einem halben Liter Leitungswasser durchschnittlich 2,5 Teilchen Mikroplastik.
Laut FOODWATCH haben Behörden Mikroplastik in vielen Mineralwässern gefunden, machen aber ein Geheimnis draus. Die „Essensretter“ fordern eine Herausgabe der Ergebnisse. (Juli 2018)
Einer Sendung des NDR zufolge sind Mikroplastikteilchen in Lebensmitteln, wie Milch und Honig und auch im Trinkwasser nachgewiesen worden.
Prof. Gerd Liebezeit und seine Mitarbeiter haben bereits in vier von 19 untersuchten Honigproben Plastikteilchen und in einem Liter Milch 21 Plastikteilchen gefunden. Im Leitungswasser konnten sie unter dem Mikroskop ebenfalls Plastikteilchen erkennen.
Besonders schlecht ist es, dass Mikroplastik im Trinkwasser zu finden ist. Klärwerke sind nicht dafür ausgestattet, um es herauszufiltern.
Wenn man die weltweiten Berichte anschaut, ist uns der Plastikberg schon längst über den Kopf gewachsen. Es gilt schnell und effektiv zu handeln und jeder einzelne von uns ist gefragt.

 

Beugen Sie vor. Ihr Wohlbefinden dankt es Ihnen “



Wie vermeide ich Plastik in meinen Körper ?
  • Verzichten Sie auf Kosmetika, in der Mikroplastik enthalten ist
  • Kompostierbares Plastik kaufen
  • Filtern Sie Ihr Wasser aus Plastikflaschen
  • Filtern Sie Ihr Leitungswasser
  • Sammeln Sie Plastikmüll in der Natur auf und geben es in eine Wertstofftonne
  • Entsorgen Sie Ihre Kontaktlinsen nicht in der Toilette
  • Verwenden Sie beim Einkaufen Stoff oder Mehrfachtüten und verzichten Sie auf Plastiktüten
  • Achten Sie beim Kauf von Kleidung darauf, dass keine Kunststoffe enthalten sind

Wird Nano- oder Mikroplastik durch Aktivkohle gefiltert?

Lesen Sie dazu den Artikel: Aktivkohle Hintergründe und Anwendung





Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroplastik
http://www.technikatlas.de/~tb4/geschichte.htm
https://www.haccp.de/qm-qs/item/mikro-und-nanoplastik
https://www.tagesschau.de/ausland/mikroplastik-113.html
https://www.foodwatch.org/de/informieren/mikroplastik/e-mail-aktion/










 

Execution time (seconds): ~0.110512